Durch die Lappen gegangen – welcher Jäger kennt noch deren Bedeutung?

Durch die Lappen gegangen – welcher Jäger kennt noch deren Bedeutung?

Heute wurde wieder eine Jagd bei uns veranstaltet.

Eigentlich müsste vorher darüber informiert werden, damit Spaziergänger, Radfahrer oder andere Bürger nicht in das Jagdgeschehen hineingeraten.

Zwei Spaziergängern mit Hunden (angeleint) sind allerdings im Raum Weener in so eine Jagd hineingeraten – aber wen interessiert es schon?

Handlungsbedarf besteht erst, wenn es zu einem Jagdunfall kommt.

Bei uns wurde auch niemand vorher informiert.

Zum Glück waren unsere Katzen im Haus und wir konnten die Katzenklappen noch verschließen. Auch wenn ein Jäger nicht gerade auf unsere Katzen schießt – die freilaufenden Jagdhunde würden unsere Katzen würgen.

Freilaufende Hunde sind eigentlich nicht erwünscht, dabei sind unsere „Sofa-Fuffis“ wesentlich harmloser, als ausgebildete Jagdhunde: diesen Hunden hat man nicht nur das Vorstehen oder Apportieren beigebracht! Wie schrieb ein Jäger in einem Jagdforum:

Wie verhindere ich, dass so ein Spinner Nachbars Kater von 7 kg zur Schärfeprüfung mitbringt, ohne ihm vorher die Krallen zu stutzen?

Lebensverachtung pur!

Abgesehen davon, dass das Jagdgesetz veraltet ist – es stammt noch aus dem dritten Reich (Göring) – gab es früher immer eine Regelung:

Lappen wurden an Bäumen und Gegenständen befestigt. Flüchteten Tiere und liefen zwischen diesen Markierungen durch, wurden sie nicht mehr verfolgt. Sie gingen dem Jäger durch die Lappen!

Wenn Tiere heute bejagt werden, sind sie durch High-Tech und Vorgehensweise meist chancenlos. Wenn die Tiere eines Maisfeldes geschossen werden sollen, wird das Maisfeld gemäht und außen herum stehen auf 6 Meter Abstand meist 2 Jäger. Welche Chance hat dann das Tier?

Als heute um unser Haus herum geballert wurde, flüchtete das Rehwild panisch aus der Schonung in die Richtung unseres Gartens. Dieser ist nach hinten offen und bei Gefahr flüchten sich die Tiere dort hin.

Ich gebe zu, dass niemand, soweit wir sehen konnten, eines dieser Rehe erschossen hat! Aber der Fluchtweg war versperrt! Ein Jägersmann stand genau dort, wo der Wildpfad zu unserem Garten führt. Die Rehe drehten panisch wieder um und rannten in die andere Richtung. Aber mindestens ein Hase wurde geschossen und demnächst ist wieder in der Zeitung zu lesen, dass der Rückgang der Hasenpopulation von der Jägerschaft bedauert wird.

Bei uns lebte wohl mindestens ein Hase zu viel!

Das Geschrei ist groß, wenn es um die Novellierung der Jagd geht. Wahrscheinlich hat man Angst, dass die unterhaltsame Schießbude verkleinert wird…

 

V.i.S.d.P.: Renate Ankelmann

Feldhasen_Petkum, Foto: Eilert Voss
Hasenjagd in Emden, Foto: Eilert Voss
Feldhase, Foto: Eilert Voss