Die wunderbare Heimkehr des Wolfes

Renate berichtet: Neulich fand ich eine interessante Glosse in einer Jägerzeitung zum Thema „Wolf“ von Sebastian von Rotenhan, Waldbesitzer in der Lausitz, als er sich über „die wunderbare Heimkehr eines heimischen, über die Jahrhunderte von Menschenhand ausgerotteten Raubwildes“ freute. Hier sein Artikel, erschienen im Editorial der ÖKOJAGD 2-2015 Magazin des Ökologischen Jagdverbandes.

Die wunderbare Heimkehr des Wolfes

[…] Helle Aufregung allerdings herrscht bei den Sonntagsjägern. So willkommen der Wolf bei uns Waldbesitzern ist, die Jäger erblicken in ihm entgegen allen unglaubwürdigen Beteuerungen ihrer Verbandsspitzen einen unerwünschten Konkurrenten und es gibt für mich nicht den leisesten Zweifel daran, dass nicht erst einer in einem unbeobachteten Moment Opfer eines zornigen Waidgenossen wurde … Der Jagdneid ist sprichwörtlich und eint die Jäger, egal woher sie kommen.

Heimische Wildarten sind selbstverständlich völlig ungefährdet. Die Wölfe leben wie im Schlaraffenland, denn das Rehwild kommt massenhaft vor. Wer je durch den deutschen Osten gereist ist und die Rudel auf den Feldern hat stehen sehen, weiß wovon ich rede. Die Jäger aber beklagen, die Jagd sei schwieriger geworden, weil das Wild scheuer ist. Ja, liebe Hobbyjäger, so ist das eben, wenn sich das edle Waidwerk nicht mehr am Anspruch einer Schießbude, sondern am natürlichen Verhalten des Wildes festmacht. Wer sich da überfordert sieht, sollte die Gunst der Stunde nutzen und seinen Jagdschein abgeben.

Gleichwohl wird nichts unversucht gelassen, den Wolf madig zu machen. Dabei ist kein Argument fadenscheinig genug, um nicht gegen Isegrimm angeführt zu werden. Eltern wird Angst gemacht, ihren Kindern drohe das Schicksal von Rotkäppchen. Grundholden stünden vor der Enteignung, denn schließlich sinke der Jagdpachtwert, wenn der Wolf statt des solventen Zahnarztes aus Westberlin jage. Und schließlich – als Höhepunkt der Heuchelei – wird in WuH von einer neuen Zweiklassengesellschaft gefaselt, denn den Landwirten würden für gerissene Schafe üppige Entschädigungen gezahlt, dem Jagdpächter aber ersetze niemand seinen „Verlust“. Als ob irgendjemand auf der Welt Anspruch auf Entschädigung für etwas hätte, das ihm nicht gehört – und bisher gilt: Wild ist herrenlos.

gefunden in ÖKOJAGD 2-2015, Originalquelle: „Vom ‚bösen Wolf'“ von Sebastian von Rotenhan, ÖKOJAGD 2-2008

Helles Köpfchen, dieser von Rotenhan.